Wednesday, May 4, 2011

Lesenswert (1) - The Bradbury Report

Wie vor einer Weile versprochen - eine Buchempfehlung - wird bestimmt nicht die letzte sein. Ich hab hier den Luxus einer bestens ausgestatteten Leihbibliothek (viel SF, Fantasy, Mystery etc. immer auf dem neusten Stand). Spart viel Geld und mir geht der Lesestoff nie aus.

Titel: The Bradbury Report

Autor: Steven Polansky

Hintergrund:
2071. Die USA (als einzige Nation) unterhaelt seit ueber 20 Jahren ein staatliches Kloning-Programm. Jeder US-Buerger kann eine Kopie von sich erstellen lassen. Sollte das Original einmal krank werden und Organe bzw. Gewebe benoetigen, werden diese dem jeweiligen Klon entnommen. Die Klone leben in einer abgesperrten Region im Mittelwesten. Niemand weiss, was dort vor sich geht, keiner kommt rein und auch keiner raus - bis jetzt.

Handlung:
Der pensonierte Lehrer Raymond Bradbury wird nach Jahrzehnten von einer alten Freundin kontaktiert. Sie gehoert einer Untergrundbewegung an, die dem Kloning-Programm kritisch gegenueber steht. Man hat durch Zufall einen Klon aufgegriffen und moechte ihn mit seinem Original konfrontieren - Raymond.

Warum ich das Buch empfehle?
Schaut man sich Hintergrund und Handlung wie oben beschrieben an, koennte man schnell glauben, nun beginnt die Action-geladene Hetzjagd. Weit gefehlt - Polansky erzaehlt eine Geschichte von Menschen und wie deren Entscheidungen ihr Leben beeinflussen. Authentische Charaktere in einem Kammerspiel, dass einen sehr schnell in den Bann zieht, obwohl nicht sehr viel passiert. Polansky laesst sich Zeit, die wenigen handelnden Personen zu entwickeln und das tut dem Buch sehr gut. Keine rasanten Wechsel von Schauplaetzen und stakkatoartige Kapitelabfolgen, um die Spannung zu steigern. Diese Geschichte lebt auch von Rueck- und Umblendungen, aber das ist viel subtiler umgesetzt worden.
Nichts fuer den Hardcore-SciFi-Fan, aber absolut lesenswert. Fuer mich eines der besten Buecher 2010, das leider noch nicht ins Deutsche uebersetzt wurde.

Tuesday, May 3, 2011

Wahlen in Kanada (4) - Das Ergebnis

Am Ende kam es dann ganz anders als es sich diejenigen erhofft hatten, die Neuwahlen per Misstrauensvotum erzwungen haben.

Die Konservativen haben nun eine bequeme Mehrheit. Wohl gemerkt jene Konservativen, die abgewaehlt werden sollten. Die Anfuehrer des Misstrauensvotums, die Liberalen, sind schwer abgestraft worden und eine kleine, unscheinbare Gruppe namens Sozialdemokraten ist mit Abstand zweitstaerkste Fraktion geworden.

Da verstehe nun einer die Kanadier. Na ja, nicht alle Kanadier, es sind gerade mal 60% zur Wahl gegangen. Mehr als bei der letzten Wahl, aber nicht so viele, als das ich dies repraesentativ nennen wuerde. Trotzdem hatte niemand ein solches Ergebnis erwartet und nun wird Kanada von einer konservativen Regierungsmehrheit angefuehrt. Fuer mich bedeutet so ein Ergebnis eigentlich nur, dass es einer grossen Gruppe von Leuten ziemlich gut gehen muss. Niemand der Sorgen und Existenznoeten hat und bei klarem Verstand ist, wuerde eine Partei waehlen, die eigentlich nur mit drei Dingen geworben hat: Groessere Gefaengnisse, bessere Kampfflugzeuge und Steuersenkungen fuer Unternehmer.

Ach ja, zum allerersten Mal ist ein Mitglied der Gruenen im Parlament. Das wird hier als historisch bezeichnet. Noch ein weiter Weg bis zum ersten Ministerposten oder gar Ministerpraesident.

Ja, ich bin parteiisch und von Konservativen halte ich auch nicht viel.

Aidan 5

Eine wirklich gut gemachte SF-Serie, die es ausschliesslich im Internet gibt - Aidan 5.

Es geht um eine nahe Zukunft in der Klonen etwas alltaegliches geworden ist. Vielleicht aber auch nicht...

Die Serie wird ohne Budget produziert und im Studio mit Chroma keying (Greenscreen) gefilmt. Hintergruende etc. sind gezeichnet und werden entsprechend eingefuegt. Alles angelehnt an die Flim Noir Tradition (und nicht nur weil es konsequent in s/w gehalten ist).

Wirklich sehenswert - hier Episode 1:

Thursday, April 14, 2011

Musik - meine Favoriten (1)

Frueher war alles besser?


Nein, so pauschal wollen wir hier nicht sein, aber was Musik betrifft, sind die meisten von uns relativ altmodisch. Das gilt zumindest fuer meinereiner. Ich will nicht einmal behaupten, dass es heute keine guten Bands/Musiker gibt, aber meine Lieblinge stammen fast ausschliesslich aus alten Tagen und falls sie noch aktiv sind (will sagen - noch leben) sieht man ihnen die vielen Jahre im Musikgeschaeft auch an.


Seit Ende der Siebziger zaehle ich mich zu der Fangemeinde von Rush, einer Band aus Toronto, die gerade in Deutschland viele Freunde hat. Sie vereinen fuer mich zwei wichtige Dinge - guter progressiver Rock und nicht wenige Science Fiction Texte, auch wenn ab den 80ern mehr und mehr gesellschaftskritische und persoenliche Geschichten erzaehlt wurden. Rush-Anhaenger sind treu und ein wenig manisch (stimmt!). Nicht umsonst wurden sie mal die Trekkies der Rockmusik genannt.

Was ich musikalisch an Rush so zu schaetzen weiss, ist deren Vielfaeltigkeit und ihre komplexen Kompositionen. Schnelle Tempowechsel, eingaengige Melodien und manchmal auch einfach bombastisch kommen sie daher - ich finds genial - auch nach ueber 30 Jahren!


Hier mal ein Beispiel aus dem Jahre 1980: Jacob's Ladder

Friday, April 8, 2011

Wirklich genial!

Aber nix fuer Menschen, die an Uebersinnliches glauben und diesbezueglich wenig Humor besitzen. Oder vielleicht gerade doch...

Tuesday, April 5, 2011

Wahlen in Kanada (3) - Der Haushalt

Ich hatte ja bereits zuvor versprochen, dass ich mich ueber den Ausloeser der Neuwahlen auslassen wollte - der Haushalt.

Es ist ja nichts Neues, dass sich politische Lager in Parlamenten ueber den jeweiligen Haushaltsentwurf streiten und auch daraus resultierende Misstrauensvoten sind schon vorgekommen.

Was war also das Problem hier in Kanada?

Das frage ich mich auch die ganze Zeit. Im Prinzip kann man nichts Aufregendes im vorlegten Entwurf finden. Eine vorsichtige Sparpolitik um Defizite zurueckzufahren, ein paar Steuererleichterungen hier und dort, ein paar gestopfte Schlupfloecher fuer die Industrie und - grosse Mehrausgaben fuer den Ruestungshaushalt. Letzteres ist ein klarer Streitpunkt, weil es um die Neuanschaffung von Kampfflugzeugen des Typs F-35 geht. Die sind natuerlich ziemlich teuer und es ist schwer zu vermitteln warum Kanada diese braucht. Ich kann es sowieso nicht nachvollziehen. Die Opposition wirft der Regierung vor, mehr Geld fuer diese Flugzeuge auszugeben, als fuer Bildung und Unterstuetzung von Familien. Damit hat sie sicherlich recht, wobei die Hochschulen durchaus zufrieden waren mit dem Entwurf. Ganz im Gegensatz zu letztem Jahr wo es ziemlich hirnlose Plaene gab, die leider auch umgesetzt wurden. Man stelle sich vor es werden jede Menge Infrastrukturprojekte gefoerdert, dazu kommen noch vermehrt Stipendien fuer Studenten. Die Wissenschaftler allerdings sollen kraeftig sparen und stehen im Wettbewerb um radikal gekuerzte Foerdermittel. Das Ergebnis sind dann moderne Universitaeten mit vielen Studenten, in denen leider nicht genuegend Leute arbeiten, die diesen irgend etwas beibringen koennten, geschweige denn die Forschung betreiben, die erwartet wird. Aber das ist der Haushalt vom letzten Jahr, der bereits umgesetzt wird.

Interessant ist die Taktik mit der man letztes Jahr alle Kritik und jeglichen Gegenwind verhindert hat. Hier hat der Premierminister die Moeglichkeit, das Parlament in den Zwangsurlaub zu schicken, d.h. es gibt keine Sitzungen, keine Ausschuesse mehr. Die Parlamentarier sind im Prinzip ruhig gestellt. Genau das hat Harper letztes Jahr fuer knapp 8 Wochen durchgezogen und somit jegliche parlamentarische Auseinandersetzung um den Haushalt 2010 lahm gelegt.

Ich glaube das gibt es nur in Kanada.

Friday, April 1, 2011

Wahlen in Kanada (2) - Wahlbeteiligung

Das mit der Wahlbeteiligung hier ist so eine Sache. Generell sind die Kanadier nicht sonderlich rege, wenn es an die Urne geht. Die hoechste jemals errechnete Wahlbeteiligung lag bei 79.2% (1963). Im gleichen Zeitraum gaben in Deutschland rund 87% der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Bei der letzten Wahl schienen die Kanadier regelrecht wahlmuede, d.h. nur etwa 59% gingen waehlen und es steht zu befuerchten, dass es diesmal noch weniger werden.

Hueben wie drueben spricht man immer so gerne von Wahlmuedigkeit und der Politikverdrossenheit. Dummerweise gibt man meiner Meinung nach damit ein sehr wichtiges Grundrecht aus der Hand und kann sich auch hinterher nicht beschwerden, wenn mal wieder die "Falschen" gewinnen. Bei der letzten Bundestagswahl waren gerade mal 70% waehlen, d.h. 30% haben entschieden nicht zu entscheiden. Hier in Kanada waren es sogar 41%. Das ist sicher nichts Neues, aber eine durchaus bedenkliche Entwicklung. Wenn irgendwann einmal nur noch die Haelfte der Bevoelkerung ueber die politische Fuehrung eines Landes entscheidet und die andere Haelfte freiwillig daheim bleibt, dann wuerde ich das nicht mehr repraesentativ nennen wollen.

Ich kann nachvollziehen, dass die viele Parteien nicht mehr waehlbar sind, aber dann wuerde ich vorschlagen zumindest eine ungueltige Stimme abzugeben. Das hat einen anderen Stellenwert als die "Nichtwahl".

Amuesante Geschichte am Rande: Ein weiterer Grund fuer die schlechte Wahlbeteiligung in Kanada bei der letzten Wahl 2008 war ein geaendertes Wahlrecht. Es gab striktere Ausweiskontrollen und man wurde gebeten seinen Wohnsitz nachzuweisen (es gibt hier kein Melderegister im herkoemmlichen Sinne). Das fanden dann einige Kanadier so schlimm, dass sie gar nicht mehr waehlen wollten.